Geschichte der Schwedenkräuter



Heilen mit Schwedenkräutern

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Schon fast seitdem Menschen Heilpflanzen zur Behandlung von Krankheiten nutzen, wurden sie wahrscheinlich auch gemischt, um eine besonders gute Wirkung zu erzielen.

Aus dem Altertum sind uns solche Kräutermischungen überliefert. Zu großem Ruhm gelangte der Theriak, der 170 v. Chr. von Nikandros von Kolophon erstmals erwähnt wurde. Der Theriak galt als Allheilmittel, der vor allem als Gegengift gegen alle Arten von Giften eingesetzt wurde. Er enthielt zahlreiche Zutaten, die im Laufe der Jahrhunderte immer mehr wurden, bis sie zu Beginn der Neuzeit auf möglicherweise 600 Zutaten anwuchsen.

Man kann wohl davon ausgehen, dass die Schwedenkräuter auch dieser Tradition der alleskönnenden Mischkräuter-Zubereitungen entstammen. In den Schwedenkräutern ist ein moderner Theriak sogar als einer der Bestandteile enthalten.

Wann die Schwedenkräuter zu einer eigenen Klasse der Kräutermischungen wurden, ist nicht bekannt. Kennzeichnend für die Schwedenkräuter ist die Angelikawurzel, denn die Angelika ist eine Heilpflanze des Nordens und kommt im Mittelmeerraum nicht vor.

Manche sprechen dem bekannten Kräuterheiler Paracelsus, der von 1493 bis 1541 lebte, die Erfindung der Schwedenkräuter zu. Wenn dem so wäre, würde es die Schwedenkräuter in eine sehr schöne alte Tradition stellen, denn Paracelsus genießt in unserer Zeit ein besonders hohes Ansehen und ist wohl der bekannteste der alten Kräuterheiler. Dagegen spricht jedoch, dass Paracelsus die Verwendung von exotischen Heilpflanzen ablehnte, weil er der Überzeugung war, dass jede Gegend ihre eigenen Heilmittel hervorbringt, die vor Ort jeweils die beste Wirkung erzielen könnten. In den Schwedenkräutern ist jedoch reichlich Kampfer enthalten, eine Heilpflanze, die weder in Mitteleuropa noch in Schweden vorkommt, sondern nur im fernen Asien.

Dennoch ist es sehr wahrscheinlich, dass die Schwedenkräuter unter den verschiedensten Namen und mit unterschiedlichen Rezepturen seit Jahrhunderten einen wichtigen Platz in den Hausapotheken einnahmen.

Vermutlich gelangten erste Schwedenkräuter-Mischungen im 30-jährigen Krieg (1618 - 1648) nach Mitteleuropa, als schwedische Wundärzte damit ihre verletzten und kranken Soldaten behandelten.

Die bekannte Geschichte der Schwedenkräuter beginnt zwischen 1641 und 1724 in Schweden.

Der Arzt Dr. Urban Hjärne war Leibarzt des schwedischen Königshauses. Seine Lebensdaten sind nachweislich bekannt. Er wurde 83 Jahre alt, was manch einer der regelmäßigen Verwendung der Schwedenkräuter zuspricht. Eine Kräutermischung namens Elixir amarum Hjaerneri (ad longam vitam) ist uns von Dr. Hjärne überliefert. Übersetzt heißt der Name dieser Kräutermischung: Bitteres Heilmittel von Hjärne (zum langen Leben).

Über dieses Elixir wurde im Jahre 1800 ein Schriftstück verfasst. In dieser Schrift wird das Mittel Wunder-Cron-Essenz genannt. Es wird für zahlreiche Beschwerden empfohlen, unter anderem Fieber, geschwollene Beine, festsitzenden Husten, Gicht, Lähmungen, Schwindel und Koliken.

Das Elixier von Hjärne wurde seit dem Ende des 18. Jahrhunderts in Deutschland als Kronessenz verkauft.

Mehrere andere schwedische Ärzte werden in Legenden genannt, wenn es um die Überlieferung der Schwedenkräuter geht.

Maria Treben führt die Schwedenkräuter auf einen Dr. Samst zurück, der im Alter von 104 Jahren bei einem Reitunfall gestorben sei. In seinem Nachlass sei das Originalrezept der Schwedenkräuter und eine alte Handschrift über ihre Anwendung gefunden worden.

Die "alte Handschrift" ist eine beliebte Quelle für Informationen über die Nutzung der Schwedenkräuter. Sie listet in 46 Punkten verschiedene Anwendungsgebiete und Anwendungsarten der Schwedenkräuter auf.

Teilweise muten die Anwendungsmöglichkeiten aus der alten Handschrift durchaus altertümlich an, beispielsweise:

" 43. Bei Pest und anderen ansteckenden Krankheiten ist es gut, wenn man am Tage öfters davon nimmt, denn sie heilen Pestgeschwüre und -beulen, selbst wenn sie schon im Halse stäken."

" 22. Wenn  jemand in Ohnmacht liegt, öffnet man ihm nötigenfalls den Mund, gebe ihm einen Esslöffel der Tropfen ein und der Kranke wird zu sich kommen."

Achtung! Den 22. Anwendungsvorschlag sollte man keinesfalls ausführen, denn es besteht die Gefahr der Erstickung. Stattdessen bringt man den Bewusstlosen besser in die stabile Seitenlage.

Da die Anwendungsvorschläge aus heutiger Sicht teilweise obskur und sogar gefährlich sein können, verzichten wir auf den vollständigen Abdruck der "Alten Handschrift". Die einzelnen Anwendungsvorschläge werden im Kapitel "Anwendungsgebiete" bei den jeweiligen Krankheiten aufgeführt.

Außer Dr. Hjärne und Dr. Samst werden weitere schwedische Ärzte als Überlieferer des Schwedenkräuter-Rezeptes genannt. Sie heißen beispielsweise Dr. Yernest, Dr. Ernst oder Dr. Gernert. Den schwedischen Ärzten, die in der jeweiligen Legende das geheime Schwedenkräuter-Rezept überliefert haben sollen, wird meistens ein sehr hohes Lebensalter nachgesagt, bis zu 132 Jahre.

Seit dem Ende des 18. Jahrhunderts wurden die Schwedenkräuter vermutlich immer in der einen oder anderen Variante in der Volksheilkunde angewendet.

Zu enormer Bekanntheit brachten es die Schwedenkräuter, als die Kräuterheilerin Maria Treben (1908 bis 1991) sie weltweit bekannt machte. Sie berichtete von der Geschichte der Schwedenkräuter, veröffentlichte die alte Handschrift und erzählte in vielen Fallgeschichten von der wundersamen Wirkung der Schwedenkräuter. Da ihr Buch ein Weltbestseller wurde, gelangten auch die Schwedenkräuter zu Weltruhm.

Heute bekommt man die Ansetzkräuter in Deutschland in jeder guten Apotheke und in vielen Kräuterhandlungen.

Die Bezeichnung "Schwedenkräuter" ist übrigens nicht ihr einziger Name. Passend zu ihrer Vielfältigkeit gibt es auch viele Namen für die Schwedenkräuter:

·         Schwedenbitter

·         Bitterer Schwedentropfen, Schwedenjoerg

·         Schwedentrunk, Alter Schwede

·         Crancampo 

·         Universaltropfen 

·         Langes Leben Elixier, Lebenselixier

·         Wunder-Cron-Essence, Kronessenz

·         Elixir amarum Hjaerneri, Elixir ad vitam longam

 

In anderen Kulturen gibt es übrigens auch verschiedene Rezepte für Universal-Heilmittel, beispielsweise das "Auf Adlers Flügeln schwingende Lebenselixier" der nordamerikanischen Indianer.




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